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Die Methode: "Der gute Freund"


Völkerschlachtsdenkmal in Leipzig (c) Luigi Russo
Völkerschlachtsdenkmal in Leipzig (c) Luigi Russo

2017 habe ich selbst diese Methode kennengelernt, die mich bis heute begleitet.

Sie ist einfach.Und gleichzeitig überraschend herausfordernd.

Die Idee: Zwei Menschen sitzen sich gegenüber oder gehen gemeinsam 20 Minuten im Freien, wenn es das Wetter, so wie gerade jetzt, zulässt. Einer spricht. Der andere hört "nur" zu. Mehr nicht.


Derjenige, der spricht, erzählt von einem konkreten Thema. Etwas, das ihn beschäftigt. Eine Situation. Ein Gedanke. Vielleicht auch einfach das, was gerade da ist.

Der andere hört zu.

Ohne Rückfrage. Ohne Kommentar. Ohne Bewertung.

Wie ein guter Freund.

Als ich das zum ersten Mal gemacht habe, war ich irritiert.

Nicht, weil es schwierig zu verstehen war. Sondern weil es ungewohnt war.

Ich bin es anders gewohnt.

Wenn jemand erzählt, reagieren ich. Wir geben Tipps. Wir teilen eigene Erfahrungen. Wir stellen Fragen. Wir wollen helfen.

Und genau das fällt hier weg.

Zuhören ohne etwas hinzuzufügen – das ist nicht selbstverständlich.

Es fordert uns heraus.

Weil wir merken, wie schnell wir innerlich schon antworten. Wie wir bewerten. Wie wir gedanklich schon bei der Lösung sind.

Und plötzlich geht es nicht mehr darum, etwas beizutragen.

Sondern einfach da zu sein.

Für die Person, die spricht, passiert etwas Interessantes.

Der Raum verändert sich.

Es geht nicht mehr darum, sich zu erklären. Nicht darum, verstanden zu werden im klassischen Sinn. Nicht darum, eine Rückmeldung zu bekommen.

Sondern darum, die eigenen Gedanken auszusprechen.

Und oft entsteht genau dadurch Klarheit.

Ich habe diese Methode in unterschiedlichen Kontexten erlebt und selbst ausprobiert:

In Coachings. In Fortbildungen. Aber auch im ganz normalen Alltag und zusammen mit einer Mitauszubildenden Bärbel "beim Walk and Talk in der Natur".

Und immer wieder zeigt sich:

Es braucht gar nicht immer eine gute Antwort. Manchmal reicht ein gutes Zuhören.

Das klingt einfach.

Ist es aber nicht.

Denn wirklich zuzuhören heißt auch,die eigene Meinung zurückzuhalten.

Nicht sofort zu reagieren. Nicht zu lenken. Nicht zu korrigieren.

Das fordert Disziplin.

Und Vertrauen.

Vielleicht ist das der Punkt, an dem die Methode so stark wird.

Sie nimmt Druck raus.

Der Druck, etwas sagen zu müssen. Etwas beitragen zu müssen. Etwas lösen zu müssen.

Und gleichzeitig entsteht etwas anderes:

Ein Raum, in dem Gedanken sich entwickeln dürfen.

Ich glaube, wir unterschätzen oft, wie selten das geworden ist.

Dieses Zuhören ohne Ziel. Ohne Agenda. Ohne den Impuls, sofort etwas daraus zu machen.

Wie ein guter Freund eben.

Vielleicht ist das eine Idee für die nächste Begegnung.

Nicht gleich reagieren. Nicht sofort antworten.

Sondern einen Moment länger zuhören.

Oder es ganz bewusst ausprobieren:

Zwei Menschen. Fünf Minuten. Einer spricht. Einer hört zu.

Dann wird gewechselt.

Mehr braucht es nicht.

Und manchmal genau das.

Einen schönen Sonntag, dir und deinen Lieben.

Matthias Wallisch

 
 
 

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