Der Mensch, mit dem ich am strengsten spreche, bin ich selbst.
- matthiaswallisch
- vor 2 Stunden
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Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich mit mir selbst spreche.
Nicht laut. Sondern in Gedanken.
"Das hättest du besser machen können."
"Warum bekommst du das nicht endlich hin?"
"Andere schaffen das doch auch."
Gerade gestern ist mir so etwas passiert.
Das Erstaunliche daran ist nicht, dass diese Gedanken auftauchen. Das Erstaunliche ist, wie selbstverständlich sie geworden sind.
Beruflich begleite ich Menschen dabei, neue Perspektiven zu entwickeln. Ich höre zu, stelle Fragen, suche mit ihnen nach Wegen, die sie stärken. Ich ermutige sie, freundlich mit sich selbst umzugehen und ihre Stärken nicht aus dem Blick zu verlieren.
Und dann merke ich manchmal, dass ausgerechnet ich selbst der Mensch bin, mit dem ich am strengsten spreche.
Vielleicht kennst du das auch.
Einem guten Freund würdest du nach einem Fehler wahrscheinlich sagen:
„Das war ärgerlich. Aber deshalb bist du kein schlechter Mensch.“
Dir selbst sagst du vielleicht: „Das war typisch. Du bekommst es einfach nicht hin.“
Warum eigentlich?
Warum messen wir bei anderen so großzügig und bei uns selbst mit einem Maßstab, den niemand erfüllen könnte?
Vielleicht, weil wir glauben, nur durch Härte besser zu werden.
Wir verwechseln Selbstkritik mit Selbstentwicklung.
Dabei ist Kritik nur dann hilfreich, wenn sie aufbauen will. Wenn sie ausschließlich kleinmacht, verändert sie nichts – außer unser Selbstbild.
Auch ich kenne diese Momente. Gerade gestern. Und es haut mich dann auch einfach aus der Bahn!
Es gibt Tage, an denen ich auf das schaue, was nicht gelungen ist, anstatt auf das, was gelungen ist. Tage, an denen ich nur die Aufgaben sehe, die noch vor mir liegen, und nicht den Weg, den ich bereits gegangen bin.
Dann frage ich mich: Würde ich mit einem Menschen, den ich liebe, so sprechen?
Die Antwort lautet fast immer: Nein.
Warum also mit mir selbst?
Selbstmitgefühl bedeutet nicht, Ausreden zu suchen oder sich mit allem zufriedenzugeben. Es bedeutet auch nicht, die eigenen Schwächen zu ignorieren.
Es bedeutet, sich dieselbe Fairness zu schenken, die wir anderen ganz selbstverständlich entgegenbringen. Deshalb sage ich mir heute:
Ich darf Fehler machen.
Ich darf müde sein.
Ich darf scheitern.
Und wir dürfen trotzdem unseren Wert behalten.
Denn unser Wert hängt nicht davon ab, wie perfekt wir funktionieren.
Vielleicht beginnt Selbstliebe genau dort.
Nicht, wenn wir uns jeden Tag großartig finden.
Sondern wenn wir lernen, die innere Stimme zu erkennen, die uns kleinmacht – und ihr nicht jedes Mal zu glauben.
Ich glaube, wir alle tragen zwei Stimmen in uns.
Die eine erinnert uns unermüdlich daran, was noch fehlt.
Die andere sieht, was bereits da ist.
Welche von beiden heute das letzte Wort bekommt, entscheiden wir selbst.
Vielleicht lohnt es sich, heute einmal darauf zu achten, wie du mit dir sprichst.
Denn der Mensch, dessen Stimme du jeden Tag am häufigsten hörst, bist du selbst.
Und vielleicht hat genau dieser Mensch ein wenig mehr Freundlichkeit verdient.
Danke an die Menschen, die an mich denken, die mich unterstützen und die mir manchmal sagen, "du darfst Fehler machen!"




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