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Die Ich-Brücke – Warum wir uns manchmal nicht wirklich gehört fühlen

  • matthiaswallisch
  • 2. Aug.
  • 2 Min. Lesezeit

„Das kenne ich auch …“

Akademie der Amateurmusik
Akademie der Amateurmusik

Kaum habe ich jemandem erzählt, was mich gerade beschäftigt, kommt dieser Satz.

Und schon beginnt mein Gegenüber von einer ähnlichen Situation zu erzählen. Von den eigenen Erfahrungen. Den eigenen Herausforderungen. Dem eigenen Leben.

Früher hat mich das oft irritiert.

Ich hatte den Eindruck, mein Anliegen sei gar nicht richtig angekommen. Dabei war das wahrscheinlich gar nicht die Absicht meines Gegenübers.


In der Kommunikationspsychologie gibt es dafür einen Begriff: die Ich-Brücke.

Eine Ich-Brücke entsteht, wenn jemand versucht, Verständnis zu zeigen, indem er sofort eine eigene ähnliche Erfahrung erzählt.

Das klingt zunächst sympathisch.

Schließlich möchte der andere ausdrücken: „Ich verstehe dich. Mir ist etwas Ähnliches passiert.“


Doch häufig passiert genau das Gegenteil.

Die Aufmerksamkeit wechselt von meinem Erleben zu seinem.

Aus meinem Satz wird plötzlich seine Geschichte.

Und obwohl es gut gemeint ist, bleibt bei mir manchmal das Gefühl zurück, gar nicht wirklich gehört worden zu sein.

Dabei brauchen wir Menschen oft etwas ganz anderes.

Nicht sofort eine Lösung.

Nicht den Vergleich.

Nicht die bessere Geschichte.

Sondern einen Moment, in dem unser Gegenüber einfach bei uns bleibt.

Vielleicht mit einer Frage.

„Wie geht es dir damit?“

Oder:

„Erzähl mir mehr.“

Diese wenigen Worte können mehr bewirken als jeder gut gemeinte Ratschlag.

In meiner Arbeit als Supervisor und Coach im Remstal begegnet mir dieses Phänomen immer wieder. Führungskräfte, Teams und Privatpersonen berichten häufig, dass sie sich zwar austauschen – sich aber trotzdem nicht verstanden fühlen.


Ich glaube, der Grund liegt oft nicht im fehlenden Interesse.

Sondern darin, dass wir Verständnis mit Ähnlichkeit verwechseln.

Wir möchten zeigen: „Ich kenne das.“

Dabei wäre manchmal viel hilfreicher zu sagen:

„Ich kenne deine Geschichte nicht. Aber ich möchte sie verstehen.“

Das verlangt Achtsamkeit.

Es bedeutet, den eigenen Impuls für einen Moment zurückzustellen.

Nicht sofort die passende Erfahrung aus dem eigenen Leben hervorzuholen.

Sondern neugierig zu bleiben.

Denn jeder Mensch erlebt dieselbe Situation anders.

Vielleicht beginnt echte Begegnung genau dort.

Nicht, wenn wir möglichst schnell eine Verbindung zu unserem eigenen Leben herstellen.

Sondern wenn wir bereit sind, für einen Augenblick ganz im Leben des anderen zu bleiben.

Ich ertappe mich übrigens selbst immer wieder dabei.

Auch ich erzähle manchmal zu schnell von einer eigenen Erfahrung. Nicht aus Egoismus, sondern weil ich Nähe herstellen möchte.


Doch ich will folgendes versuchen und möchte mich dann fragen:

Braucht mein Gegenüber gerade meine Geschichte – oder zuerst mein Zuhören?

Diese kleine Frage wird meiner Gespräche verändern.

Vielleicht verändert sie heute auch eines deiner Gespräche.

Denn manchmal ist das größte Geschenk, das wir einem Menschen machen können, nicht unsere Erfahrung, sondern unsere ungeteilte Aufmerksamkeit.


Heute ein paar kleine Impulse zum Nachdenken ;-)

  • Wann hast du dich zuletzt wirklich gehört gefühlt?

  • Erkennst du dich manchmal selbst in der „Ich-Brücke“ wieder?

  • Welche Frage könntest du heute stellen, bevor du von dir erzählst?

Ich freue mich auf deine Gedanken und Erfahrungen in den Kommentaren.

 
 
 

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