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Wenn das Gefühl bleibt, nicht zu genügen

  • matthiaswallisch
  • 12. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

Krumau im Böhmerwald
Krumau im Böhmerwald

Es gibt Tage, an denen gelingt scheinbar alles.

Und dann gibt es diese anderen Tage.

Tage, an denen ich mich frage, ob das, was ich tue, eigentlich ausreicht. Ob ich genug leiste. Genug für andere da bin. Genug aus meinem Leben mache. Ob ich an den richtigen Stellen mutig genug bin und an den anderen vielleicht endlich gelassener werden sollte. Beim Autofahren bin ich ungeduldig und ärgere mich über den, der vor mir genau im Tempolimit fährt. "Du musst dich jetzt nicht ärgern, weil der einzige der sich ärgert, bist du!" Während andere gerade tolle Erfahrungen machen oder sich mit Freunden treffen, bin ich lieber zuhause - alleine - weil mein Akku leer zu sein scheint.


Manchmal glaube ich, an solchen Tagen bin ich alleine.


Wir leben in einer Zeit, in der wir ständig sehen, wie andere scheinbar erfolgreicher leben. Die sozialen Medien zeigen perfekte Körper, perfekte Familien, perfekte Karrieren, perfekte Urlaube. Selbst Erschöpfung wird manchmal noch perfekt inszeniert.

Und während wir all das betrachten, entsteht leise ein Gedanke:


"Vielleicht bin ich nicht genug."

Dieser Satz ist gefährlich.

Nicht, weil er laut ist. Sondern weil er sich oft ganz unbemerkt in unser Denken einschleicht. Er begleitet uns beim Blick in den Spiegel. Er sitzt neben uns, wenn wir Entscheidungen treffen. Er meldet sich, wenn wir einen Fehler machen oder wenn etwas nicht gelingt.


Gerade heute erkenne ich mich in diesem wieder.

Manchmal schaue ich auf mein Leben und denke, dass ich eigentlich glücklicher sein müsste. Dass ich dankbarer sein müsste. Dass ich gesund bin und doch schon so vieles erreicht habe und trotzdem diese innere Stimme nicht verstummt.

Sie fragt, ob ich erfolgreicher sein könnte. Ob ich gesünder leben müsste. Ob ich mehr Sport machen sollte. Ob ich beruflich noch weiter sein müsste. Ob ich genug Zeit für die Menschen habe, die mir wichtig sind.

Vielleicht kennst du diese Stimme ebenfalls.

Früher dachte ich, Selbstliebe bedeutet, sich selbst großartig zu finden. Sich morgens im Spiegel anzulächeln und sich uneingeschränkt zu mögen.

Heute glaube ich etwas anderes.

Selbstliebe beginnt nicht damit, dass ich alles an mir mag.

Sie beginnt dort, wo ich aufhöre, mich permanent abzuwerten.

Sie beginnt dort, wo ich anerkenne, dass ich ein Mensch bin. Mit Stärken und Schwächen. Mit gelungenen Tagen und Tagen, an denen nichts funktioniert. Mit Eigenschaften, die ich schätze, und solchen, an denen ich weiterarbeiten möchte.

Selbstliebe bedeutet nicht Stillstand.

Sie bedeutet auch nicht, dass Entwicklung überflüssig wird.

Im Gegenteil.

Gerade wer sich selbst mit Respekt begegnet, kann Veränderungen anstoßen, ohne sich dabei ständig kleinzumachen.

Denn es macht einen großen Unterschied, ob ich mich verändern möchte, weil ich mich hasse oder weil ich mich wertschätze.

Der erste Weg führt fast immer in Erschöpfung.

Der zweite schenkt Freiheit.

Vielleicht sollten wir uns deshalb häufiger dieselbe Freundlichkeit schenken, die wir unseren besten Freunden entgegenbringen.

Wenn ein guter Freund zu mir käme und sagen würde: "Ich glaube, ich bin nicht gut genug." – ich würde ihm widersprechen.

Ich würde ihm erzählen, was ich an ihm schätze.

Ich würde ihn daran erinnern, was ihm gelungen ist.

Ich würde Verständnis zeigen für seine Zweifel.

Warum fällt uns genau das uns selbst gegenüber so schwer?

Vielleicht, weil wir glauben, wir müssten uns Liebe erst verdienen.

Durch Leistung.

Durch Disziplin.

Durch Anerkennung.

Durch Perfektion.

Doch echter Selbstwert funktioniert nicht wie ein Bonusprogramm.

Er entsteht nicht dadurch, dass wir immer besser werden.

Er entsteht dort, wo wir akzeptieren, dass unser Wert niemals von unserer Leistung abhängig war.

Das bedeutet nicht, dass ich keine Ziele mehr haben möchte.

Stell sie dir bewusst vor und stell dir die "Ausgabe" von dir vor, die das bereits erreicht hat. Stell dir vor, wie es sich anfühlt diese Person zu sein.


Aber ich möchte all das nicht mehr aus dem Gefühl heraus tun, nicht genug zu sein.

Sondern aus dem Wunsch heraus, gut für mich zu sorgen.

Vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen Selbstoptimierung und Selbstliebe.

Die eine sagt:

"Du musst erst besser werden, damit du dich mögen darfst."

Die andere sagt:

"Du bist bereits wertvoll. Und gerade deshalb darfst du wachsen."

Ich wünsche dir, dass du heute einen Moment findest, in dem du die kritische Stimme in deinem Kopf etwas leiser drehst.

Nicht, weil sie für immer verschwinden wird.

Sondern weil sie nicht das letzte Wort über dich haben muss.


 
 
 

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