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Zwischen zwei Momenten

Vielen lieben Dank!

Auf meinen letzten Beitrag „Zwischen zwei Herzschlägen“ habe ich Rückmeldungen bekommen. Eine davon ist mir besonders hängen geblieben:


Kloster Lorch - Matthias Wallisch
Kloster Lorch - Matthias Wallisch

„Zwischen zwei Herzschlägen ist eigentlich immer die Hoffnung, dass der nächste kommt.“

Ich finde diesen Satz stark. Und gleichzeitig macht er es uns einfach -oder?.

Denn er beschreibt etwas, das wir oft verdrängen: Zwischen zwei Momenten liegt nicht nur Ruhe. Da liegt auch Unsicherheit und Unruhe.

Der nächste Herzschlag ist nicht sichtbar. Er ist nicht planbar. Er ist einfach… noch nicht da.


Und genau das fällt uns schwer.

Wir sind es gewohnt, Dinge kontrollieren zu wollen. Im Beruf, in Beziehungen, in unserer Entwicklung. Wir führen Gespräche – und wollen sofort Wirkung sehen. Wir stoßen Veränderungen an – und erwarten Fortschritt. Wir investieren Energie – und hoffen auf ein klares Ergebnis.

Und wenn das nicht passiert?

Dann entsteht dieser Zwischenraum.

Ein Moment ohne Rückmeldung. Ohne Bestätigung. Ohne Sicherheit und etwas, das Halt gibt.


Manchmal ist das nicht auszuhalten.


In meiner Arbeit, gerade diese Woche, erlebe ich genau das immer wieder.

Menschen zweifeln nicht unbedingt an ihren Fähigkeiten.

Sie (ver-)zweifeln an dem Moment dazwischen.


Dem Moment, in dem noch nichts zurückkommt.

Ein Mitarbeitergespräch, das erstmal „verpufft“. Ein Impuls, der scheinbar nicht ankommt. Ein Projekt, das noch keine Wirkung zeigt.


Und dann kommt schnell die Frage: War das überhaupt richtig?

Vielleicht ist das die falsche Frage.

Vielleicht geht es gar nicht darum, sofort zu wissen, ob etwas „funktioniert“. Vielmehr geht es in diesen Momenten darum, diesen Zwischenraum auszuhalten.

Denn der nächste Herzschlag kommt nicht, weil wir sicher sind. Sondern obwohl oder gerade weil wir es nicht sind. Da reicht die Hoffnung alleine nicht aus - es braucht Vertrauen.


Das ist der Punkt, an dem Vertrauen beginnt.

Vertrauen ist kein großes Gefühl. Es ist oft leise und unspektakulär.

Es zeigt sich nicht, wenn alles läuft. Sondern genau dann, wenn nichts passiert.

Wenn wir trotzdem dranbleiben. Wenn wir nicht sofort korrigieren. Wenn wir nicht hektisch nachjustieren.

Sondern einen Moment stehen lassen.

Das klingt einfach. Ist es aber nicht.

Denn dieser Zwischenraum konfrontiert uns mit uns selbst:Mit Ungeduld. Mit dem Wunsch nach Kontrolle. Mit der Angst, etwas falsch gemacht zu haben, vielleicht auch jemanden verletzt zu haben, der mir wichtig ist.


Und genau deshalb ist er so wertvoll.

Vielleicht liegt darin sogar die eigentliche Entwicklung.

Nicht in den sichtbaren Erfolgen. Nicht in den klaren Ergebnissen.

Sondern in der Fähigkeit, diesen Raum zu halten. Ihn auszuhalten.


Zwischen zwei Gesprächen. Zwischen zwei Entscheidungen. Zwischen zwei Herzschlägen.

Hoffnung ist dabei kein Zufall. Und auch kein Gefühl, das einfach auftaucht.

Hoffnung ist eine Entscheidung.

Eine Entscheidung, nicht sofort auszusteigen. Nicht alles infrage zu stellen. Nicht jeden Zwischenraum als Scheitern zu deuten und den Beziehungsdraht fallen zu lassen.

Sondern ihm einen Moment zu geben.

Vielleicht ist genau das der Unterschied.

Zwischen denen, die Veränderung anstoßen –und denen, die sie wirklich durchtragen.

Ich wünsche euch einen schönen Sonntag.

Matthias Wallisch

 
 
 

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