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Die Hoffnung auf den nächsten Herzschlag

  • matthiaswallisch
  • vor 3 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Und was bleibt, wenn sie kaum noch spürbar ist



Matthias Wallisch - Licht und Schatten
Matthias Wallisch - Licht und Schatten

„Zwischen zwei Herzschlägen ist eigentlich immer die Hoffnung, dass der nächste kommt.“

Dieser Satz ist mir nach dem letzten Beitrag geschrieben worden. Und er hat mich nicht mehr losgelassen. Danke für diese Worte!


Vielleicht hat er mich nicht mehr losgelassen, weil er so schlicht und gleichzeitig so wahr ist.

Denn in diesem einen Gedanken steckt etwas, das wir selten aussprechen: Dass unser Leben auf einer stillen Erwartung beruht.

Darauf, dass es weitergeht.

Ein Herzschlag folgt auf den nächsten. Ohne dass wir etwas dafür tun müssen. Ohne dass wir es kontrollieren könnten.

Und genau darin liegt etwas Tröstliches:

Wir müssen nicht alles sichern, nicht alles wissen, nicht alles im Griff haben. Ein Teil des Lebens trägt sich selbst.

Und doch gibt es Momente, in denen genau diese Selbstverständlichkeit ins Wanken gerät.

Nicht, weil das Leben aufhört. Sondern weil das Vertrauen darin brüchig wird.

Es sind diese Phasen, in denen man nicht mehr sicher ist, ob der nächste Herzschlag wirklich kommt.

Nicht im medizinischen Sinn. Sondern im übertragenen.

Wenn Gewissheiten wegbrechen. Wenn Beziehungen unsicher werden. Wenn der eigene Weg nicht mehr klar ist.

Dann verändert sich etwas.

Die Hoffnung ist nicht unbedingt weg. Aber sie ist leiser geworden.

Vielleicht ist das der entscheidende Punkt:


Hoffnung zeigt sich nicht immer als starkes Gefühl.

Oft ist sie kaum wahrnehmbar. Eher eine leise Annahme. Ein „Vielleicht geht es doch weiter“, das sich nicht laut behauptet.

Und manchmal verschwindet sogar dieses leise Gefühl.

Das gehört zur Wahrheit dazu.

Es gibt Momente, in denen Menschen sagen: „Ich sehe gerade nicht, wie es weitergehen soll.“ Nicht dramatisch. Nicht endgültig. Aber ehrlich.

Was bleibt dann?

Vielleicht etwas, das wir selten so benennen:

Ein Weitergehen ohne Gewissheit.

Ein Schritt, der nicht aus Überzeugung entsteht, sondern aus etwas Tieferem.

Menschen stehen morgens auf, obwohl sie nicht wissen, wofür. Sie führen Gespräche, obwohl sie innerlich unsicher sind. Sie treffen Entscheidungen, obwohl ihnen die Klarheit fehlt.

Nicht, weil sie voller Hoffnung sind. Sondern weil sie trotzdem weitergehen.

Und vielleicht zeigt sich genau darin eine andere Form von Hoffnung.

Nicht als Gefühl. Sondern als Bewegung.

Die Ostererzählung berührt genau diesen Punkt.

Sie spricht oft von der Hoffnung, die am Ende steht. Vom neuen Anfang. Vom Leben, das stärker ist.

Aber sie übersieht nicht den Weg dorthin.

Die Tage dazwischen. Die Unsicherheit. Das Nicht-Wissen.

Vielleicht liegt genau darin ihre Stärke.

Dass sie nicht nur erzählt, dass es weitergeht. Sondern auch, wie es sich anfühlt, wenn man es noch nicht glauben kann.

Zurück zu diesem Satz:

„Zwischen zwei Herzschlägen ist Hoffnung, dass der nächste kommt.“

Vielleicht stimmt er.

Aber vielleicht braucht er eine kleine Ergänzung.

Zwischen zwei Herzschlägen ist manchmal auch:

Zweifel. Unsicherheit. Stille.

Und trotzdem geht es weiter.

Nicht immer, weil wir fest daran glauben. Sondern manchmal einfach, weil Leben sich bewegt.

Weil etwas in uns weitergeht, auch wenn wir es nicht steuern.

Vielleicht ist das kein großes Versprechen.

Aber ein ehrliches.

Gerade in den Momenten, in denen Hoffnung nicht spürbar ist, muss sie nicht komplett verschwunden sein.

Manchmal hat sie nur ihre Form verändert.

Dann ist sie nicht mehr das Gefühl, dass alles gut wird.

Sondern die leise Bereitschaft, den nächsten Schritt trotzdem zu gehen.

Und vielleicht ist genau das genug.

Für diesen Moment.

Für diesen, für den einen nächsten Herzschlag.

Danke, dass du mir meinen Glauben ins Gedächtnis zurückgerufen hast, weil er es ist, der mich auf den nächsten Herzschlag hoffen lässt.

 
 
 

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