Schutzengel, Glück und die leise Dankbarkeit
- matthiaswallisch
- 15. Feb.
- 2 Min. Lesezeit

Manchmal gibt es Momente, in denen das Leben plötzlich fragil wirkt. Nicht laut. Nicht spektakulär. Sondern still. Ein Gedanke reicht: Was wäre gewesen, wenn es schneller vorbei gewesen wäre, als gedacht?
Keine große Dramatik. Kein filmreifer Rückblick. Nur die nüchterne Frage nach der Endlichkeit. Dieser Moment ruft Erinnerungen wach. An Menschen, die jetzt nicht mehr da sind und die mir fehlen. Von jetzt auf nachher oder aber begleitet über eine längere Zeit.
Da hallt etwas in mir nach, da steigt Erinnerung auf.
Interessanterweise führen mich diese Gedanken nicht zu einem „Jetzt erst recht“.
Nicht zu mehr Terminen. Nicht zu mehr Abenteuern. Nicht zu einer "Bucket-Liste" für ein maximal ausgekostetes Leben.
Sie führen mich zu etwas anderem.
Zu Dankbarkeit.
Auch für die großen Meilensteine. Aber eher für das Gewöhnliche, für meinen Alltag. Manchmal dafür, den Abend bei einem guten Film Seite an Seite auf dem Sofa zu sitzen.
Für Gespräche, die nicht spektakulär, aber intensiv und echt sind. Für Routinen, die tragen. Für KollegInnen, die das gegenseite "Zusammen" verstehen. Für Freunde, die ganz unspektakulär und unprätenziös sind. Für Menschen, die einfach da sind. Für meinen Beruf und Arbeit, die Sinn stiftend sind.
Jetzt verstehe ich so manche Worte von Professoren, bei denen ich studiert habe besser.
Vielleicht sind Schutzengel keine geflügelten Wesen.
Vielleicht sind sie Entscheidungen. Menschen. Zufälle. Begegnungen. Oder einfach das Glück, das wir oft erst bemerken, wenn wir es fast verloren hätten oder wenn es leise in unser Leben tritt.
Ich glaube nicht, dass wir nach jeder existenziellen Erfahrung unser Leben radikal umbauen müssen. Manchmal reicht es, innerlich etwas geradezurücken.
Nicht intensiver leben. Sondern bewusster.
Nicht mehr erleben. Sondern das Erlebte würdigen.
Nicht alles verändern. Sondern das Wesentliche erkennen.
Dankbarkeit ist kein Dauerzustand. Sie ist eher eine Haltung, die ich für mich immer wieder neu einnehmen möchte.
Und vielleicht ist genau das der eigentliche Schutzengel:Die Fähigkeit, zwischendurch innezuhalten und zu sagen:
Es ist gut, dass ich hier bin. Heute.
Danke!



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