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Lachen und Weinen in der Supervision

  • matthiaswallisch
  • 16. Aug. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Humor hat in Beratung, Supervision oder im Coaching eine besondere Kraft. Er kann Leichtigkeit schenken, Türen öffnen und den Blickwinkel verändern. Ein gemeinsames Schmunzeln schafft Nähe, manchmal sogar Vertrauen, und gibt den Beteiligten die Möglichkeit, schwierige Themen mit etwas mehr Distanz zu betrachten. Er ist eine Ressource, mit der wir es schaffen können ein Problem ertragbar zu machen, es kleiner zu machen, es machbar zu machen.

Doch Humor ist nie harmlos. Er kann auch schmerzen – gerade dann, wenn er auf etwas trifft, das im Leben eines Menschen gerade von großer Bedeutung ist.

In einer meiner letzten Fallbesprechungsgruppen habe ich das sehr deutlich erlebt. Zum Einstieg hatte ich kleine Comics mitgebracht. Sie sollten einen humorvollen Impuls geben, ein Lächeln auf die Gesichter zaubern und vielleicht ein Stück Gelassenheit eröffnen. Es war die letzte Fallbesprechungsgruppe vor der Sommerpause und sollte zum Ausdruck bringen, was wir in einem Jahr geleistet und welche Höhen wir erklommen haben um im Bild des Wandernden zu bleiben, die Taletappe einzuleuten und langsam auf das Ziel zuzusteuern.

Eine Teilnehmerin wählte ein Bild aus, das auf den ersten Blick lustig und leicht wirkte. Doch genau diese Situation berührte sie tief, weil sie ihr aktuelles Erleben spiegelte – nur dass es für sie in diesem Moment alles andere als lustig war.

Die Stimmung veränderte sich schlagartig. Was leicht begonnen hatte, wurde schwer. Tränen flossen, Betroffenheit machte sich breit. Für einen Moment stand der Raum still.

In solchen Situationen wird deutlich, dass Humor und Schmerz eng beieinander liegen. Manchmal reicht ein kleiner Impuls, und das, was nach außen komisch wirkt, trifft im Inneren auf eine Wunde. Ich konnte diesen Schmerz spüren und wollte ihm auch respektvoll in seinem Dasein begegnen,

Es braucht Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und den Mut, den Prozess nicht mit Leichtigkeit „zudecken“ zu wollen, sondern die Schwere anzunehmen.

Gemeinsam konnten wir zunächst Ressourcen aktivieren, damit die Teilnehmerin wieder in einen stabilen Zustand kam. Erst dadurch war es möglich, weiterzugehen und die Erfahrung nicht als Überforderung, sondern als wertvollen Teil der gemeinsamen Arbeit zu integrieren.

Für mich war das ein eindrückliches Beispiel dafür, wie ambivalent Humor im Beratungs- und Coachingkontext wirkt. Er ist ein starkes Werkzeug, das Beziehung stärkt, Perspektiven weitet und Entlastung bringen kann. Doch er ist nie neutral. Seine Wirkung hängt immer davon ab, in welchem inneren Zustand die Menschen sind, die ihn aufnehmen.

Humor in der Beratung bedeutet daher: achtsam bleiben. Er soll Brücken bauen, nicht Mauern errichten. Er darf Türen öffnen, aber er muss immer den Raum lassen, dass auch Weinen, Schmerz und Ernsthaftigkeit ihren Platz haben dürfen.

Am Ende ist es vielleicht gerade diese Nähe von Lachen und Weinen, die Beratung so menschlich wertvoll macht. Beides sind Ausdrucksformen, die zeigen, dass wir berührt sind – und genau darin liegt die Chance für Veränderung und Entwicklung.


Am Ende möchte ich diesem Blockbeitrag Menschen widmen, die sich mit ihrer eigenen Ent-Wicklung befassen, die Klarheit und Grenzen einfordern, die stellvertretend für andere Erlebtes ansprechen um Veränderung anzubahnen und alle, die gerade mutig und authentisch sind und ich möchte DANKE

an Karina sagen für ihre Hilfe zur Entwicklung meines persönlichen Logos.

 
 
 

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