Parallelen oder Gesunde Arbeitszeit.
- matthiaswallisch
- 18. Okt. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Über Booster- Breaks, Stressprävention, Resilienz und Self-Care
In den letzten Wochen habe ich viel über Balance nachgedacht – über die Balance zwischen Arbeit und Ruhe, zwischen Leistung und Regeneration, zwischen dem, was wir geben, und dem, was wir uns selbst zugestehen.
Mir geht es dabei nicht darum, was andere zurückgeben. Mein Tun und Handeln sollte nicht davon bestimmt sein, dass andere Menschen anerkennen, was ich tue oder dankbar sind. Entscheidend ist für mich, ob ich etwas wirklich tun möchte – oder nicht. Etwas zu tun, weil ich von anderen Anerkennung, Dankbarkeit oder im weitesten Sinne Liebe erhalte, war lange genug mein Antrieb und im höchsten Grade manipulativ.

Bei meiner Arbeit begegne ich immer wieder Menschen, die mit großem Engagement unterwegs sind: in Teams, in Leitungsfunktionen, in sozialen oder wirtschaftlichen Organisationen. Menschen, die viel tragen – und dabei oft vergessen, auch für sich selbst zu sorgen.
Ein schönes Bild dazu ist mir vergangene Woche begegnet: das Energiefass. Wer immer wieder gibt, ohne nachzufüllen, wer ständig Energie abgibt, ohne sich selbst neue zuzuführen, steht irgendwann vor einem leeren Fass. Und dann fehlt die Kraft zu handeln.
Vielleicht ist es kein Zufall, dass mich das Thema gesunde Arbeitszeit gerade jetzt so beschäftigt. Denn auch für mich selbst stellt sich immer wieder die Frage: Wie gelingt es, gut zu arbeiten – und zugleich gut mit sich zu sein?
Zwischen Effizienz und Erschöpfung
Die moderne Arbeitswelt liebt das Wort „Effizienz“. Schneller, produktiver, optimierter – das sind die Maßstäbe, an denen sich viele messen. Doch der Preis ist oft hoch: Pausen werden verkürzt, Grenzen verschoben, Bedürfnisse überhört. Und das, was mir persönlich wichtig ist, rutscht im Alltag schnell nach hinten.
Ich erlebe, wie leicht sich kleine Unachtsamkeiten summieren: eine ausgelassene Mittagspause, eine zu kurze Nacht, ein Wochenende, das doch wieder für liegengebliebene Mails draufgeht. Und plötzlich spüre ich, dass etwas kippt.
Stress ist kein Zeichen von Schwäche. Er ist ein Signal. Und wie bei jedem Signal kommt es darauf an, ob wir es überhören – oder hinhören.
Booster Breaks – kleine Inseln der Präsenz
In meiner Begleitung von Menschen und Teams habe ich Booster Breaks kennen gelernt – kurze, bewusste Unterbrechungen im Alltag. Sie sind mehr als bloße Pausen. Es geht um kleine Momente echter Regeneration, um Augenblicke, die uns zurück in die Präsenz bringen.
Ich selbst habe jetzt angefangen solche Mini-Pausen zu nutzen. Manchmal stehe ich einfach auf, öffne das Fenster und lasse den Blick für eine halbe Minute in die Ferne schweifen. Es ist erstaunlich, wie schnell sich dadurch der innere Fokus verändert.
Ein anderes Mal bleibe ich im Sitzen und nehme mir zwei Minuten zum bewussten Atmen: tief ein, langsam aus. Ich spüre, wie sich der Brustkorb hebt und senkt, und merke, wie die Gedanken leiser werden.
Oder ich frage mich zwischendurch schlicht: Wie geht es mir gerade körperlich? Diese kleine Selbstfrage lenkt die Aufmerksamkeit sofort weg vom Außen und hin zu mir selbst – ein kurzer Check-in, der mir hilft, wieder anzukommen.
Manchmal reicht auch ein kurzer Gang über den Flur, ein paar Schritte an die frische Luft oder das bewusste Strecken und Gähnen. Kleine Gesten, die signalisieren: Ich bin noch da. Ich atme. Ich bin nicht nur Funktion, sondern Mensch.
Und manchmal tut es gut, den Blick auf das zu richten, was gerade gelungen ist. Eine gelungene Besprechung, ein freundlicher Austausch, ein Kaffee in Ruhe. Solche Mini-Momente der Dankbarkeit sind wie ein kleiner Reset-Knopf – sie helfen, das Energiefass wieder ein Stück zu füllen.
Resilienz – das stille Fundament
Resilienz ist kein Zustand, den man „hat“ oder nicht hat. Sie ist etwas, das wächst – oft in den Momenten, in denen wir herausgefordert sind.
Ich verstehe Resilienz als die Fähigkeit, in Bewegung zu bleiben, auch wenn das Leben uns stolpern lässt. Sie bedeutet nicht, alles wegzustecken oder immer stark zu sein. Im Gegenteil: Sie entsteht, wenn wir unsere Verletzlichkeit anerkennen – und daraus lernen.
Für mich ist Resilienz eng mit Selbstfürsorge verbunden. Wer gut für sich sorgt, schafft die Grundlage, auch für andere da zu sein – ohne auszubrennen.
Self-Care – mehr als ein Modewort
„Self-Care“ ist ein Begriff, der inzwischen überall auftaucht. Aber für mich bedeutet er etwas sehr Zentrales: Verantwortung für das eigene Wohlbefinden zu übernehmen.
Selbstfürsorge heißt für mich, nicht nur nach der Arbeit für Ausgleich zu sorgen, sondern sie in den Alltag zu integrieren. Dazu gehört, Grenzen zu setzen, auch mal Nein zu sagen, Erfolge wahrzunehmen – und Erschöpfung ernst zu nehmen.
Oft sind es die kleinen, unscheinbaren Entscheidungen, die den Unterschied machen: rechtzeitig Feierabend machen, bewusst durchatmen, ein Gespräch suchen, bevor etwas zu groß wird.
Parallelen
Wenn ich auf die letzten Monate blicke, sehe ich viele Parallelen zwischen meiner Arbeit und diesen Themen. Supervision, Coaching und Organisationsberatung leben von Präsenz, Achtsamkeit und innerer Balance – genau jenen Qualitäten, die auch in gesunder Arbeit wirksam sind.
Ich habe gelernt: Nur wenn ich gut für mich sorge, kann ich andere wirklich gut begleiten. Nur wenn ich selbst Pausen lebe, kann ich sie glaubwürdig empfehlen.
Gesunde Arbeitszeit beginnt also nicht im Kalender, sondern in der Haltung.
Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis: Pausen sind kein Luxus, sondern Voraussetzung für Qualität.
Wenn dir dieser Beitrag gefallen hat oder du eigene Erfahrungen mit gesunder Arbeitszeit und Selbstfürsorge teilen möchtest, freue ich mich über einen Kommentar oder eine Nachricht.
Ich wünsche dir ein Wochenende mit Raum zum Durchatmen.




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