Hitze im Außen, Ruhe im Inneren
- matthiaswallisch
- 5. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Warum Gelassenheit im Sommer eine Führungsqualität ist
Es gibt diese Tage, an denen man morgens die Haustür öffnet und die Wärme einem bereits entgegenschlägt. Noch bevor der erste Kaffee getrunken ist, zeigt das Thermometer über 25 Grad. Im Kalender stehen Prüfungen, Konferenzen, Projekte, Abschlussgespräche oder die letzten Termine vor dem Urlaub. Gleichzeitig scheint die Welt draußen schon einen Gang heruntergeschaltet zu haben.
Der Sommer verspricht Leichtigkeit.
Doch viele erleben gerade jetzt das Gegenteil.
Denn während die Natur zur Ruhe kommt, laufen wir häufig noch einmal zur Höchstform auf. Alles soll vor den Ferien erledigt werden. Offene Aufgaben werden abgearbeitet, Entscheidungen getroffen und letzte Fristen eingehalten.
Die Vorfreude auf Urlaub, Sonne und Erholung wächst – und mit ihr oft auch die Anspannung.
Vielleicht kennst du das:
Die Geduld wird kürzer. Kleine Missverständnisse wirken plötzlich größer. Entscheidungen fallen schwerer. Man reagiert gereizter, obwohl man eigentlich gelassen sein möchte.
Das hat einen einfachen Grund.
Unser Körper arbeitet unter Belastung. Und damit auch unser Gehirn.
Hitze fordert unseren Organismus heraus. Sie kostet Energie, reduziert unsere Konzentrationsfähigkeit und erhöht das Stressempfinden. Was wir häufig als mangelnde Motivation oder schlechte Laune interpretieren, ist oft schlicht eine natürliche Reaktion unseres Körpers.
Gerade deshalb ist der Sommer eine besondere Zeit für Selbstführung.
Denn Führung zeigt sich nicht erst dann, wenn alles nach Plan läuft. Sie zeigt sich vor allem dann, wenn die äußeren Bedingungen schwierig werden.
Dabei geht es nicht nur um Menschen mit Personalverantwortung.
Jeder von uns führt.
Eltern führen ihre Familie.
Lehrkräfte führen ihre Klassen.
Ehrenamtliche führen Projekte.
Kolleginnen und Kollegen beeinflussen die Stimmung in ihren Teams.
Und letztlich führen wir alle – jeden Tag – uns selbst.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:
Wie heiß wird es heute? Sondern: Wie viel innere Ruhe gelingt es mir trotz der Hitze zu bewahren?
Gelassenheit bedeutet dabei keineswegs Gleichgültigkeit.
Sie bedeutet auch nicht, alles hinzunehmen.
Gelassenheit ist die Fähigkeit, bewusst zu entscheiden, worauf wir unsere Energie richten – und worauf nicht.
Gerade in stressigen Phasen vergessen wir das häufig.
Wir versuchen, noch schneller zu werden. Noch mehr zu erledigen. Noch effizienter zu arbeiten.
Dabei wäre oft genau das Gegenteil hilfreich.
Nicht mehr Tempo. Sondern mehr Klarheit.
Ich beobachte in meiner Arbeit, dass Menschen unter Druck zu zwei Extremen neigen. Die einen werden hektisch. Die anderen ziehen sich innerlich zurück.
Beides kostet Kraft.
Die wirklich souveränen Menschen wirken häufig ganz anders. Sie sprechen ruhiger. Sie hören genauer zu. Sie treffen Entscheidungen nicht schneller, sondern bewusster. Und genau deshalb geben sie anderen Orientierung.
Ruhe ist ansteckend. Genauso wie Hektik.
Wer in einem angespannten Moment Gelassenheit ausstrahlt, verändert oft die Atmosphäre eines ganzen Teams. Nicht durch große Worte, sondern durch die eigene Haltung.
Vielleicht ist das eine der unterschätztesten Führungsqualitäten überhaupt.
Nicht die lauteste Stimme zu haben.
Sondern die ruhigste.
Gerade jetzt, in den letzten Wochen vor den Sommerferien, lohnt es sich deshalb, sich selbst immer wieder eine einfache Frage zu stellen:
Was braucht heute wirklich meine Aufmerksamkeit – und was darf bis morgen warten?
Nicht jede E-Mail muss sofort beantwortet werden.
Nicht jede Aufgabe muss heute abgeschlossen sein.
Nicht jede Diskussion braucht eine unmittelbare Reaktion.
Manchmal ist die klügste Entscheidung, kurz innezuhalten.
Ein Glas Wasser zu trinken.
Ein paar Minuten frische Luft zu schnappen.
Bewusst langsamer zu werden.
Denn Gelassenheit entsteht selten dadurch, dass die äußeren Umstände ruhiger werden.
Sie entsteht dadurch, dass wir lernen, unsere innere Ruhe nicht von ihnen abhängig zu machen.

Vielleicht ist genau das die Einladung dieses Sommers.
Nicht jede freie Minute zu verplanen.
Nicht ständig erreichbar zu sein.
Nicht immer nur an das Nächste zu denken.
Sondern den Moment wahrzunehmen.
Die Wärme auf der Haut.
Ein Gespräch ohne Zeitdruck.
Das Lachen von Kindern.
Ein gutes Buch im Schatten.
Oder einfach ein paar Minuten, in denen nichts erledigt werden muss.
Der Sommer erinnert uns daran, dass Produktivität wichtig ist.
Aber nicht alles.
Manchmal beginnt gute Führung genau dort, wo wir uns selbst erlauben, einen Gang herunterzuschalten.
Denn wer einen kühlen Kopf bewahren möchte, muss nicht gegen die Hitze kämpfen.
Er muss lernen, seine innere Ruhe zu schützen.
Und ein Element, dass ich persönlich diese Woche einmal ganz konkret ausprobieren werden: Ein Tagebuch, wofür ich diese Tage dankbar bin.
Einen schönen erholsamen Sonntag Abend und morgen einen guten Start in die Woche.
Euer Matthias




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