Gute Führung ist nicht nett – sie ist klar
- matthiaswallisch
- 21. Feb.
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Montagmorgen. Teamsitzung.
Alle wissen, dass das letzte Projekt deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Vorgaben wurde nicht eingehalten, Vereinbarungen wurden gerissen. Qualität war mittelmäßig. Zwei Leistungsträger haben die Hauptlast getragen.
Die Führungskraft eröffnet die Runde:
„Ich glaube, wir hatten alle viel auf dem Tisch. Lasst uns schauen, was wir beim nächsten Mal optimieren können.“
Nicken. Schweigen. Erleichterung.
Niemand spricht die eigentlichen Fragen aus:
"Wer hat Verantwortung nicht übernommen?"
"Warum wurde mangelnde Vorbereitung toleriert?"
"Warum mussten wieder dieselben zwei einspringen?"
Das Meeting endet harmonisch. Das Problem bleibt.
Aber was ist das konkrete Problem? Die Mitarbeiter, die Leistung bringen und Verantwortung übernehmen, erhalten nicht ihre zustehende Anerkennung ihrer Arbeit, Frustration nimmt zu. Diejenigen, die ihre Arbeit nicht übernehmen, können sich wegducken und werden nicht reguliert.
Zweite Szene.
Eine Mitarbeiterin liefert seit Monaten solide, aber deutlich unter Potenzial. Jeder sieht es. Die Führungskraft auch. Im Jahresgespräch fällt der Satz:
„Sie machen das im Großen und Ganzen wirklich gut.“
Im Raum liegt das Ungesagte. Beide wissen, dass es nicht stimmt. Beide spielen mit.
Das Gespräch bleibt freundlich. Die Entwicklung bleibt aus.
Führungskräfte nennen das wertschätzend. Ich nenne es konfliktscheu.
Gute Führung scheitert selten an Fachlichkeit. Sie scheitert am Wunsch, gemocht zu werden.
Wer führt, steht unter Spannung. Zwischen Menschlichkeit und Anspruch. Zwischen Beziehung und Ergebnis. Zwischen Verständnis und Verantwortung.
Doch wer Konflikte dauerhaft vermeidet, schützt nicht Menschen – er schützt sich selbst.
Und genau hier beginnt die eigentliche Zumutung von Führung:
Klar zu sagen, was nicht reicht. Verantwortung dort zu lassen, wo sie hingehört. Spannung auszuhalten, statt sie wegzumoderieren.
Denn Harmonie ist angenehm. Aber sie ist kein Führungsprinzip. Klarheit schon.




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